Sonntagsvorlesungen

Sonntagsvorlesungen

Die Evangelische Kirchengemeinde und der Förderverein Jugendstilkirchsaal Nordend e.V. laden auch in den ersten Monaten eines Jahres zu „Sonntagsvorlesungen in Nordend“ ein.
In diesen Vorlesungen behandeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in allgemein verständlicher Weise Themen aus ihrer Forschung. Die Vorlesungen finden in der Regel  von Januar bis April, jeweils von 11.15 bis 12.15 Uhr im Gemeindesaal der Kirchengemeinde Berlin-Nordend, Schönhauser Straße 32 / Kirchstraße, 13158 Berlin statt. Zuvor wird von 10 bis 11 Uhr ein Gemeindegottesdienst gefeiert. Der Eintritt ist frei – um Spenden für den Förderverein wird jedoch herzlich gebeten.

2017 sind keine weiteren Sonntagsvorlesungen geplant.

Inhaltsverzeichnis

2017

April 2017: Prof. Dr. Gunther Kennel:
Der Liedgesang in den reformatorischen Kirchen

Prof. Dr. Gunther Kennel, Landeskirchenmusikdirektor referierte im Rahmen der Sonntagsvorlesungen über den Liedgesang in den reformatorischen Kirchen. Es gab gerade im Jubiläumsjahr der Reformation einige neue Erkenntnisse zu einem alten Thema.
Bei den Vorbereitungen auf das Reformationsjubiläum 2017 konnte man immer wieder zugespitzte Formulierungen hören wie die, dass die Reformation den gottesdienstlichen Gesang mehr oder weniger „erfunden“ habe. Bei näherem Hinsehen stellt man aber sehr schnell fest, dass die Dinge differenzierter zu sehen sind. Die Vorlesung geht auf der Basis neuerer Beurteilungen der liturgischen und hymnologischen Quellen der Frage nach, wie sich das Singen der reformatorischen Christenheit an das Singen von altersher angeschlossen hat, aber dennoch einen „neuen Ton“ anstimmte.
Mit seinem Vortrag schloss Prof. Kennel das diesjährige „Semester“ der wieder sehr rege besuchten Sonntagsvorlesungen ab.

März 2017: Prof. Dr. Michael Höhle:
Die märkische Reformation aus des Sicht eines katholischen Kirchenhistorikers

Prof. Dr. Michael Höhle

Am Sonntag, 26. März 2017 referierte Prof. Dr. Michael Höhle, aus Berlin und Frankfurt (Oder) über „Die märkische Reformation aus der Sicht eines katholischen Kirchenhistorikers“. In welchem Zustand befand sich die spätmittelalterliche Kirche in der Mark Brandenburg? War die Reformation notwendig? Was bedeutete das „Spandauer Abendmahl“ des Kurfürsten Joachim II. 1539? Was können wir heute aus der Reformationsgeschichte lernen? Ein katholischer Pfarrer und Kirchenhistoriker versucht auf diese Fragen zu antworten

Februar 2017: Prof. D. Dr. Wolf Krötke:
Martin Luther als Endzeitprophet

Prof. D. Dr. Wolf Krötke, Berlin sprach im Februar im Rahmen der Sonntagsvorlesungen über Martin Luther als Endzeitprophet. Dargestellt an den Bildern zur Johannes-Apokalypse. Martin Luther war in den späteren Jahren seines Lebens davon überzeugt, dass das Weltende kurz bevorstehe. Diese Überzeugung ist auch in die verschiedenen Ausgaben seiner Übersetzung des Neuen Testaments eingeflossen. Das zeigt sich besonders an den Bildern, mit denen in diesen Ausgaben die Johannesapokalypse illustriert wurde. Vorbild waren dabei die Holzschnitte Albrecht Dürers. Die Vorlesung stellt dar, welche Ängste und Hoffnungen sich in diesen Bildern Ausdruck verschafften. Sie fragt danach, wie wir heute mit den apokalyptischen Szenarien umgehen können, die uns das Weltende angesichts der Krisen unserer Zeit vor Augen malen.

Januar 2017: Prof. Dr. Siegfried Bräuer:
Die zweite Kanzel der Reformation – Das Evangelium auf der Bühne

Prof. Dr. Siegfried Bräuer

Zum Auftakt der Sonntagsvorlesungen 2017 war Prof. Dr. Siegfried Bräuer am 29. Januar 2017 im Gemeindehaus zu Gast. Sein Vortrag beleuchtet das Zusammenspiel von Kanzel und Bühne. Die Bedeutung der Reformation für die Kultur ist unstrittig. Unter den Themen der Jubiläumsvorbereitung fehlt aber bisher das Schauspiel, obwohl das Bibel- und Schuldrama am Aufbau reformatorischer Gemeinden beteiligt war. Die Bühne wurde zu einer zweiten Kanzel.
Nicht immer wurde dabei auf eine korrekte evangelische Lehre geachtet. Das war zum Beispiel bei dem beliebten lateinischen Lehrstück des niederländischen Pädagogen Georg Macropädius über das Sterben des reichen Schlemmers „Jedermann“ der Fall. Erst der Mansfelder Pfarrer Cyriacus Spangenberg hat 1563 mit seiner Neuübersetzung das unevangelische Glaubensverständnis des Stückes korrigiert. Hugo von Hofmansthal aber hat sich bei seinem „Jedermann“ von 1911 an die katholische Fassung gehalten.
Foto: Prof. Dr. Siegfried Bräuer (Foto: privat)

2016

Mai 2016: Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Gerhardt, Institut für Philosophie der Humboldt-Universität Berlin:
Glaube und Wissen – Über die wechselseitige Abhängigkeit des einen vom anderen

Viele glauben bis heute, das Wissen schließe den Glauben aus. Deshalb meinen sie, die Wissenschaft werde den Glauben verdrängen und am Ende sogar überflüssig machen. Doch das ist ein Irrtum. Denn es ist das Wissen, das in seiner unaufhebbaren Beschränkung den Glauben benötigt, wann immer es zum Handeln kommen soll. Andererseits zeigt bereits ein Blick auf die Ursprünge des Glaubens, dass er auf ein Wissen gegründet ist, dessen Unvollständigkeit er durch die Lehre, auf die er sich stützt, zu beheben sucht.

April 2016: Prof. Dr. Dr. h. c. Heinz-Elmar Tenorth, Humboldt-Universität Berlin:
Sinn-Bildung: Pädagogische Herausforderungen in einer wissenschaftlich-technischen Gesellschaft

Bildung ist eine der großen Aufgaben unserer Gesellschaft für die heran wachsenden Generationen. Dazu gehört ohne Zweifel die Vermittlung von Wissen, das es Menschen ermöglicht, an der Gestaltung unserer durch Wissenschaft und Technik geprägten Gesellschaft teilzunehmen. Aber gibt solches Wissen dem Leben von Menschen auch einen Sinn? Diese Frage beunruhigt diejenigen, die in Schule und Universität Verantwortung für die Bildung der Menschen tragen, die in Zukunft Verantwortung für das Leben unserer Gesellschaft tragen werden. Phänomene, dass schon junge Menschen ihr Leben als sinnlos erfahren, begegnen allenthalben. Was kann die Schule, was kann die Universität dafür tun, jungen Menschen Horizonte eines sinnvollen Lebens zu eröffnen?
Fotografie & Copyright: Doris Poklekowski

Februar 2016: Prof. D. Dr. Wolf Krötke, Berlin:
Gottes Ebenbild – Das christliche Menschenverständnis vor den Herausforderungen der Gegenwart

Die Bibel greift sehr hoch, indem sie uns Menschen als Ebenbilder Gottes bezeichnet (1. Mose 1, 27). Wie ist das genau verstehen? Wie wurde es in der Geschichte der Kirche gedeutet und welche Konsequenzen hatte das? Was bedeutet es, in einer Zeit Gottes Ebenbild zu sein, in der wir schon froh sein können, wenn Menschen sich halbwegs menschlich verhalten? Die Vorlesung geht diesen Fragen in Auseinandersetzung mit anderen Menschenbildern nach, die in der Gegenwart das Verhalten von Menschen, Völkern und Religionen leiten.

Januar 2016: Prof. Dr. Ugo Perone, Guardini-Professor an der Humboldt-Universität Berlin:
Gibt es eine Philosophie für Europa?

Die exakten Wissenschaften sprechen überall dieselbe Sprache. Die Künste und die Literatur sind von unterschiedlichen nationalen und sprachlichen Traditionen geprägt. Was aber geschieht mit der Philosophie? Ist sie überall die gleiche wie zum Beispiel in Amerika die analytische Philosophie oder ist sie anders in jedem Land? Kann sie zu der Einheit eines Kontinents beitragen, wo die Unterschiede der Sprachen, Traditionen und der religiösen Einstellungen, so beträchtlich sind? Professor Perone – zugleich Stadtrat für Kultur der Provinz Turin und ehemaliger Direktor des italienischen Kulturinstituts in Berlin – stellt sich diesen Fragen.

2015

April 2015: Prof. Dr. Andreas Feldtkeller, Humboldt-Universität Berlin:
Biblische Traditionen im Islam

Der Islam ist eine Religion, der sich in anderer Weise als das Christentum auf biblische Traditionen stützt. In den Erzählungen des Koran begegnen darum eine Reihe von Personen, die wir auch aus der Bibel kennen: Adam, Noah, Abraham, Josef, David, Salomo, Johannes der Täufer. Auch Jesus ist für den Islam in diese Reihe eingeordnet. Die Vorlesung geht der Frage nach, wie die biblischen Erzählungen aufgegriffen und gleichzeitig im Sinne des Islam neu erzählt werden. Sie wirft die Frage auf, inwieweit die biblischen Traditionen im Islam eine Grundlage des Dialogs zwischen dem Christentum und dem Islam sein können.

März 2015: Prof. Dr. Dr. h. c. Richard Schröder, Berlin:
Wie die Cranachs die Reformation ins Bild setzten

Zur Reformationszeit konnten die meisten noch nicht lesen, zumal auf dem Lande. Deshalb sind die mittelalterlichen Kirchen sozusagen Bilderbücher. Lucas Cranach d. Ä. hat gegen die mittelalterliche Bilderwelt einen neuen Bildtypus geschaffen, den man reformatorisches Dogmenbild nennen kann. Dieser Bildtyp hat seinerzeit eine beachtliche Verbreitung erfahren, als Bild in Kirchen, als privates Andachtsbild, als Holzschnitt. Andere Künstler haben Cranach kopiert. Diese Tradition ist aber völlig abgebrochen durch den Sieg des Barock. Die Sonntagsvorlesung erinnert an die Bemühungen von Cranach Vater und Sohn, die Reformation ins Bild zu setzen.
Foto und Copyright: Andreas Schoelzel

Februar 2015: Prof. D. Dr. Wolf Krötke:
“Heilige Schrift” und Kulturgut. Vom Wert der Bibel für Kirche und Gesellschaft

Die Bibel ist für die Christenheit „heilig“, weil sie die Basis ihres Glaubens an Gott ist. Die Bibel ist aber zugleich auch ein Buch, das mit seinen Geschichten, mit seinen Orientierungen für gutes menschliches Handeln und mit seiner Sprache in die Gesellschaft hinein wirkt. Doch viele Menschen sind sich heute dessen gar nicht mehr bewusst, wie die Bibel ihr Denken, Urteilen und Sprechen prägt. Die Vorlesung macht einerseits deutlich, welcher Schatz die Bibel für die Kirche und alle einzelnen Christinnen und Christen ist. Andererseits erhellt sie die starken Impulse, die in unserer Gesellschaft von diesem Buch nach wie vor ausgehen.

Januar 2015: Prof. Dr. Dr. Bernd U. Schipper, Humboldt-Universität Berlin:
Bild und Kult im antiken Israel

Die „Bildlosigkeit“ und das Bilderverbot gelten als wesentliche Merkmale des Alten Testaments. Das antike Israel hat – so die verbreitete Auffassung – seinen Gott nicht im Bild verehrt. Es unterscheidet sich damit grundlegend von den Religionen seiner altorientalischen Umwelt. Der Vortrag problematisiert diese Sichtweise. Ausgehend von dem archäologischen und altorientalischen Material wird analysiert, was überhaupt ein „Kultbild“ war. Dabei wird sich zeigen, dass die Religion des antiken Israel in wesentlichen Grundzügen mit den Religionen ihrer Umwelt verwandt war, die alttestamentlichen Texte jedoch die Abgrenzung von ihnen propagieren.

2014

Mai 2014: Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Berlin:
Das Verhältnis der Kirche zu politischer Macht

Die Macht eines Staates ist als solche nichts Böses. Die christliche Kirche versteht es vielmehr als Gottes Anordnung, dass der Staat die Macht hat, auch unter „Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen“ (5. These der Barmer Theologischen Erklärung). Aber politische Macht kann auch im Namen von menschenfeindlichen Ideologien missbraucht werden, wie es Deutschland geschah und in vielen Ländern noch heute geschieht. Sie muss darum der Kontrolle unterliegen. Die Vorlesung fragt, welchen Beitrag unsere Kirche zum rechtmäßigen Machtgebrauch des Staates leisten kann. Sie stellt sich aber auch kritischen Anfragen, die der Kirche allzu große Staatsnähe und Abhängigkeit von der Macht unseres demokratischen Staates zum Vorwurf machen.

März 2014: Prof. Dr. Paul Nolte, Freie Universität Berlin:
Das Ende der Demokratie? Politische Entwicklungen und protestantische Positionen

Die Deutschen haben sich im 20. Jahrhundert nicht leicht getan, die Demokratie zu akzeptieren. Lange Zeit überwogen gerade auch im Protestantismus Skepsis und Ablehnung. Aber kaum sind wir in der Demokratie angekommen, schwindet das Vertrauen in sie schon wieder. Demokratie verändert sich, und viele meinen: sie droht auf kaltem Wege, nicht durch eine Diktatur, abhanden zu kommen. So jedenfalls lauten kritische Diagnosen in Wissenschaft und Öffentlichkeit. Der Professor für neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin, Paul Nolte, gibt einen Überblick über die dynamische Veränderung von Demokratie in den letzten Jahrzehnten und fragt danach, ob es eine evangelische Position dazu überhaupt noch geben kann.

Februar 2014: Prof. Dr. Dorothea Weltecke, Konstanz:
Überraschendes zur Geschichte des Atheismus im Mittelalter – Die Verneinung Gottes im „Zeitalter des Glaubens“- mit einem Ausblick auf die Neuzeit

Gott existiert vielleicht gar nicht. Mindestens interessiert er sich nicht für das Geschick der guten und armen Menschen. Dieser Gedanken begegnen im Mittelalter überraschenderweise viel öfter, als es unsere Vorstellungen vom „Zeitalter des Glaubens“ vermuten lassen. Die Professorin für die Geschichte der Religionen an der Universität Konstanz, Dorothea Weltecke, hat atheistische Ansichten in dieser Zeit umfassend erforscht. Sie ist dabei auch auf ein überraschendes Verhalten der Inquisition gestoßen.

Januar 2014: Prof. D. Dr. Wolf Krötke, Berlin:
Wie “politisch” darf die Kirche sein? – Zur Frage der Einflusses der Kirche auf politische Entscheidungen

Das Themenjahr der Evangelischen Kirche in Deutschland steht 2104 unter dem Motto „Reformation. Macht. Politik“. Im Zusammenhang damit setzt sich die Vorlesung mit einer zweifachen Kritik an der Kirche auseinander. Auf der einen Seite wird beklagt, sie sei zu sehr von der Politik des Staates abhängig. Auf der anderen Seite wird ihr vorgeworfen, sie sei zu wenig politisch und mische sich nicht kräftig genug in die Politik ein. Darum muss geklärt werden, inwiefern die Kirche unausweichlich auf die Politik bezogen ist und wie weit ihr Einfluss auf politische Entscheidungen gehen darf.

2013

April 2013: Prof. Dr. Michael Bongardt, Freie Universität Berlin:
Haben wir einen freien Willen? Zum Dialog zwischen Hirnforschung, Philosophie und Theologie

Seit einiger Zeit erregen steile Behauptungen der Hirnforschung die öffentliche Diskussion. Sie stellen in Frage, dass wir Menschen uns wirklich in Freiheit für bestimmte Handlungen entscheiden. Chemische Vorgänge im Gehirn würden uns vielmehr steuern, so dass von unserem „freien Willen“ keine Rede sein kann. Michael Bongardt, Direktor des Instituts für vergleichende Ethik und Vizepräsident der Freien Universität Berlin, setzt sich mit dieser Behauptung aus philosophischer und theologischer Perspektive auseinander.

März 2013: Prof. D. Dr. Wolf Krötke, Berlin:
Können Menschen Gott vergessen?

Auf den ersten Blick werden wir geneigt sein, diese Frage zu bejahen. Schon die Bibel redet davon. Die Geschichte der Menschheit wimmelt von Menschen, die Gott bei ihrem Tun und Lassen offenkundig vergessen haben. Um uns her leben Menschen, die sogar schon vergessen haben, dass sie Gott vergessen haben. Welche Chancen hat angesichts dessen die Erinnerung an Gott durch unsere Kirche? Die Vorlesung zeigt, dass Menschen gar nicht so gott-los sein können, wie sie es im Vergessen Gottes sind.

Februar 2013: Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joas, Freiburg i.B. / University of Chicago:
Glaube als Option: Zukunftsmöglichkeiten des Christentums

 Bis heute ist die Ansicht verbreitet, die Modernisierung der Gesellschaft durch Wissenschaft und Technik ziehe notwendig die Verweltlichung des Lebens (Säkularisierung) und damit das Ende des Glaubens nach sich. Diese Ansicht stellt der Vortrag aus der Sicht der Soziologie in Frage. Er entwickelt auf empirischer Grundlage die These, dass gerade der Glaube eine „Option“ für die Zukunft ist. Hans Joas, Permanent Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies und Professor für Soziologie der University of Chicago, wird diese in seinem neuesten Buch vertretene These begründen.

Januar 2013: Prof. Dr. Henning Schluß, Universität Wien:
Glaube und Bildung – Zur Bildungsverantwortung der Kirche in Schule und Gesellschaft

Bildung besteht nicht nur im Erwerb von Wissen. Sie prägt die inneren Einstellungen von Menschen zu den Grundfragen des Lebens und orientiert ihr Handeln. Der christliche Glaube ist in diesem Sinne auch eine Triebkraft für die Bildung des Lebens. Henning Schluß, Professor für empirische Bildungsforschung und Bildungstheorie an der Universität Wien, kennt die Schwierigkeiten genau, die der Bildungsverantwortung der Kirche in einem „konfessionslosen“ Umfeld entgegen stehen. Er  fragt darum nach Wegen, wie unsere Kirche dieser Verantwortung gerecht werden kann.

2012

April 2012: Prof. Dr. Markus Witte, Humboldt-Universität Berlin:
Die Kirche und das Judentum: Beziehungen – Probleme – Perspektiven

Der christliche Glaube wurzelt im Judentum. Er hat seine Überzeugungen in Aufnahme und Abgrenzung von jüdischen Vorstellungen entwickelt. Dabei ist es auch zu einem christlich motivierten Antijudaismus gekommen. Er hat sich in zahllosen Pogromen niedergeschlagen. Die Beziehungen zwischen Judentum und Christentum sind daher einerseits vom Bewusstsein tiefer Verwandtschaft bestimmt. Andererseits sind sie von der Schuld belastet, welche die Kirche auf sich geladen hat. Der Leiter des Instituts „Kirche und Judentum“ wird christlich-jüdische Gemeinsamkeiten und Unterschiede beleuchten. Er wird Orientierungspunkte für den christlich-jüdischen Dialog aufweisen.

März 2012: Prof. D. Dr. Wolf Krötke, Berlin:
Der gute Schöpfer und das Leiden der Geschöpfe: Orientierungen in der „Theodizeefrage“:

Theodizee“ heißt „Rechtfertigung Gottes“. Die „Theodizeefrage“ versucht, Gott mit Argumenten dafür zu rechtfertigen, dass er in seiner Schöpfung das Böse und das Leiden seiner Geschöpfe nicht verhindert. Die Vorlesung fragt, ob diese Argumente stichhaltig sind. Sie zeigt einen Weg, auf dem Christinnen und Christen am Glauben an Gott trotz des Leidens in der Welt festhalten können. Mehr noch: Sie zeigt, wie Gott uns für den Widerstand gegen das Leiden in Anspruch nimmt.

Februar 2012: Prof. Dr. Christof Gestrich, Berlin:
Seele und Tod: Was bleibt von uns, was wird aus uns?

Es soll nicht um leichtfertige Spekulationen über den Tod hinaus gehen. Aber heute hat sich der falsche Eindruck verbreitet, es gebe überhaupt keine Seele, und wenn doch, sei sie ein sterbliches Gehirnphänomen. Auch die Theologie hat in den letzten Jahrzehnten zu diesem Themenkreis oft geschwiegen. Viele Menschen suchen darum bei anderen Religionen Zuflucht. Der Professor für systematische Theologie ist der Ansicht: Wir müssen jetzt dringend die Seele des Menschen und die ‚letzten Dinge’ auf christliche Weise miteinander ins Gespräch bringen.

Januar 2012: Prof. Dr. Gerlinde Strohmaier-Wiederanders, Berlin:
Der tote Christus im Leben des dreieinigen Gottes: Das Motiv des „Gnadenstuhls“ in der Kunstgeschichte

In jedem Gottesdienst bekennt sich die christliche Gemeinde zu Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist. Aber immer wieder wird die Frage gestellt, wie man sich den dreieinigen Gott konkret vorstellen kann. Die mittelalterliche Kunst hat darauf anschaulich geantwortet. Sie stellte den dreieinigen Gott mit dem Motiv des „Gnadenstuhls“ dar: Der Vater sitzt auf der Bundeslade und hält den toten Christus in seinen Armen. Die Vorlesung der Professorin für kirchliche Kunst zeigt an Hand von Beispielen, welches Verständnis des dreieinigen Gottes hier zum Ausdruck kommt.

2011

Mai 2011: Prof. Dr. Notger Slenczka, Humboldt-Universität Berlin:
„Tag der Arbeit“ am Sonntag. Bemerkungen zu einem paradoxen Zusammentreffen.

Der „Tag der Arbeit“ am 1. Mai ist nicht wie der Sonntag ein Tag der Arbeitsruhe. An ihm fordern arbeitende Menschen vielmehr ihre Rechte ein. Sie sind für ihre Arbeit aktiv. Am Sonntag aber sollen wir uns alle Arbeit aus Kopf schlagen. Kaiser Konstantin (gest. 331) hat Arbeit am Sonntag regelrecht verboten. Prof. Slenczka – seit 2006 Professor für Systematische Theologie in Berlin – nimmt das paradoxe Zusammentreffen des „Tages der Arbeit“ und des Tages der Arbeitsruhe im Jahre 2011 zum Anlass, um nach dem Sinn der staatlich garantierten Arbeitsruhe am Sonntag zu fragen. Ist der Schutz des Sonntags noch zeitgemäß, nachdem die von Konstantin begründete Verbindung von Staat und Christentum an ihr Ende gekommen ist? Ist die christliche Wertschätzung des Sonntags auch für Nichtchristen nachvollziehbar und in einem nichtchristlichen Staat wertvoll?

März 2011: Prof. Dr. Jürgen Henkys, Berlin:
Geistliche Lieder aus benachbarten Sprachen. Entdecken –  Verstehen – Übertragen.

Von Jürgen Henkys nachgedichtete Kirchenlieder aus anderen Ländern haben heute einen festen Platz im Liederschatz unserer Kirchen und Gemeinden. In Form eines Werkstattberichts gibt der weltweit bekannte Berliner Hymnologe Einblick in die Probleme, die bei der Übertragung eines Liedes in eine andere Sprache bewältigt werden müssen. Das Entdecken der poetischen Kraft eines Liedes, das Verstehen seiner theologischen Absicht und schließlich das Gestalten eines Kunstwerks mit geistlicher Tiefe sind die größten Herausforderungen, die sich dabei stellen.

Februar 2011: Prof. D. Dr. Wolf Krötke, Berlin:
„Wie kann Wasser solche großen Dinge tun?“ : Der Sinn des „Jahres der Taufe“

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat im Rahmen der „Reformationsdekade“ das Jahr 2011 zum „Jahr der Taufe“ erklärt. Kirchen und Gemeinden sind aufgerufen, die Bedeutung der Taufe für das christliche Leben mit besonderen Gottesdiensten und einfallsreichen Veranstaltungen sowie „events“ ins Bewusstsein zu rufen. Die Vorlesung leistet dazu einerseits einen Beitrag, indem sie vom Neuen Testament her das Wesen der Taufe erklärt. Andererseits aber stellt sie auch kritische Fragen an die Taufpraxis in den Gemeinden. Dabei steht vor allem der  Brauch der Kindertaufe auf dem Prüfstand.

Januar 2011: Prof. Dr. Honnefelder, Otto-Warburg-Senior-Research-Professor, Berlin:
Verantwortung und Schuld als Merkmale der Menschlichkeit von Menschen

Die deutschen Gehirnforscher haben in einem „Manifest“ in Aussicht gestellt, dass ihre Forschungen unser „Menschenbild“ nachhaltig verändern werden. Nicht unser „freier Wille“, sondern unser Gehirn entscheide über unser Tun und Lassen. Einige Forscher haben aus dieser Theorie den Schluss gezogen, dass wir als Personen für unser Tun nicht verantwortlich gemacht werden können. Sie fordern deshalb eine Revision des Strafrechts, das auf dem Prinzip persönlicher Verantwortung und Schuld beruht. Der international renommierte, katholische Ethiker Ludger Honnefelder setzt sich mit dieser Forderung auseinander.

2010

April 2010: Prof. Dr. Dorothea Wendebourg, Humboldt-Universität Berlin:
Das Papsttum in evangelischer Sicht

Das Papsttum war einer der wesentlichen Gründe für die Kirchenspaltung im 16. Jahrhundert. Martin Luther hat den Papst regelrecht als „Antichristen“ bezeichnet. Dieses Urteil wird heute von keiner evangelischen Kirche mehr ausgesprochen, obwohl die Dogmatisierung des universalen Primats und der Unfehlbarkeit des Papstes im 19. Jahrhundert den Gegensatz noch verschärft hat. Die Vorlesung stellt dar, wie es zur Vormachtstellung des römischen Bischofs gekommen ist, welche Argumente die Reformation dagegen vorbrachte und was zu den neueren Papstdogmen zu sagen ist. Sie fragt danach, ob es gleichwohl Aspekte einer Annäherung gibt.

Parasiten (Schmarotzer) sind Lebewesen, die sich in einem anderen Organismus („Wirt“) einnisten und von dessen Lebenskräften zehren. Sie können, um sich am Leben zu erhalten, sogar mehrere Wirtswechsel vollziehen. Um die Wahrscheinlichkeit des Fortbestandes einer parasitären Art zu erhöhen, werden dann Unmegen von Eiern oder Larvenstadien produziert. Manchmal bewirken aber Parasiten aber auch eine Veränderung des Verhaltens ihrer Zwischenwirte. Sie bieten sich ihren Fraßfeinden, zu denen die Parasiten überwechseln wollen, dann fast an. Die Vorlesung gibt Einblick in die Erforschung der Überlebensstrategien von Parasiten. Sie mündet in die spannende Frage, ob auch wir Menschen durch Parasiten manipuliert werden können.

Februar 2010: Prof. D. Dr. Wolf Krötke, Berlin:
Der Glaube an den einen Gott und die vielen Religionen

Die Religionen bestimmen das Leben der Menschen und Gesellschaften auf unserer Erde mehr als alle anderen weltanschaulichen Orientierungen. Ihnen wird deshalb von den Politik- und Gesellschaftswissenschaften eine große Bedeutung für die Zukunft der Menschheit zugesprochen. Zugleich wird den Religionen aber auch angelastet, dass sie mit ihrem besonderen Glauben an Gott oder an Götter Intoleranz und Ausgrenzung gegenüber anders glaubenden Menschen befördern. Die Vorlesung führt vom christlichen Standpunkt aus in einen Dialog der Religionen ein, der an der Friedensfähigkeit jeder Religion orientiert ist.

Januar 2010: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jörg Hacker, Präsident des Robert-Koch-Institutes Berlin:
Infektionen im Zeitalter der Globalisierung

Infektionen in sich entwickelnden Ländern und in den Industriestaaten stellen die Medizin im Interesse der Gesundheit der Völker der Welt vor große Herausforderungen. Die Ausbreitung von Grippeviren, die zur sogenannten „Neuen Grippe H1N1“ führen, belegt dies eindrucksvoll. Im Zeitalter der Globalisierung werden Infektionserreger in wenigen Tagen um den Erdball getragen. Die Vorlesung wird das an Beispielen für das Aufkommen von neuen Infektionserregern anschaulich machen und Strategien der Infektionsbekämpfung diskutieren.

2009

  • 25.01.2009 Prof. Dr. Michael Kleber, Berlin: „Denn einzig in der engen Höhle des Backenzahnes weilt die Seele“. Reflexionen aus Kunst, Literatur und Gesellschaft
  • 24.02.2009 Prof. D. Dr. Wolf Krötke, Berlin: Die Barmer Theologische Erklärung gestern und heute
  • 22.03.2009 Prof. Dr. Wilhelm Gräb, Berlin: Sinnsuche und Erlösungsverlangen. Religion in der populären Gegenwartskultur
  • 26.04.2009 Prof. Dr. Heinrich Olschowsky, Berlin: Hiob und Narr. Die spielerische Weisheit der Wislawa Szymborska

2008

  • 27.01.2008 Prof. D. Dr. Wolf Krötke, Berlin: Das erste Gebot. Kritik der Religion und des Atheismus
  • 24.02.2008 Prof. Dr. Cilliers Breytenbach, Berlin: Jesus im Konflikt um die Auslegung der zehn Gebote
  • 30.03.2008 Prof. Dr. Matthias Köckert, Berlin: Das Werden des Dekalogs. Wie kam es zur Zahl von zehn Geboten und zur Gestalt einzelner Gebote?
  • 27.04.2008 Prof. Dr. Rolf Schieder, Berlin: Die zehn Gebote – Wertekanon der Gesellschaft?

2007

  • 28.01.2007 Prof. Dr. Siegfried Bräuer, Berlin: Rechtsradikalismus und Kirche in Berlin-Niederschönhausen. Aufstieg und Fall des „Sportpalast-Krause“
  • 25.02.2007 Prof. D. Dr. Wolf Krötke, Berlin: Das ewige Leben. Zur theologischen Verantwortung der christlichen Hoffnung in unserer Zeit
  • 25.03.2007 Prof. Dr. Jens Schröter, Berlin: Was wir von Jesus von Nazareth wissen können
  • 15.04.2007 Prof. Dr. Christoph Markschies, Berlin: Die Bedeutung der Geschichte der Kirche für die Gegenwart. Dargestellt an ausgewählten Beispielen

2006

  • 25.02.2006 Prof. D. Dr. Wolf Krötke, Berlin: Dietrich Bonhoeffer – mit Gott aufs Ganze gehen
  • 12.03.2006 Prof. Dr. Richard Schröder, Berlin: Christliche Ethik und genetische Forschung
  • April 2006 Prof. Dr. Jens Reich, Berlin: Chancen des Christentums in unserer multikulturellen Gesellschaft
  • 07.05.2006 Prof. Dr. Eberhard Jüngel DD., Tübingen: Das Böse – was ist das?