Autorenlesungen

Autorenlesungen

Der Förderverein Jugendstil-Kirchsaal Nordend e.V. und die Evangelische Kirchengemeinden Martin Luther und Nordend laden in den ersten Monaten eines Jahres  zu Autorenlesungen ein. Die Lesungen finden immer an einem Sonntag um 17 Uhr im Gemeindesaal im Gemeindehaus Nordend in der Schönhauser Straße 32 / Kirchstraße in 13158 Berlin statt. Jeder kann zu den Lesungen kommen. Ein besonderes Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Jedoch bitten wir um eine an- gemessene Spende für die Kosten der Lesung sowie die Instandhaltung und Restaurierung unseres Jugendstil-Kirchsaales.

Die Autoren signieren auf Wunsch ihre Bücher, die auch vor Ort erworben werden können.

Inhaltsverzeichnis

Aktuelle Veranstaltungen

 

2017

März 2017: André Kubiczek: Skizze eines Sommers

1985, Potsdam, große Ferien. Der sechzehnjährige René bleibt zu Hause. Die Mutter ist tot, der Vater in der Schweiz; er lässt René 1000 Mark da, die er mit seinen drei Freunden brüderlich teilt. Dies ist, das spüren sie alle vier, ein Sommer, wie es ihn nie wieder geben wird. Sie streifen durch die sommerliche Stadt, tragen das richtige Outfit, sie hören die richtige Musik, lesen die richtigen Bücher und wetteifern darum, besonders geistreich zu sein und sie suchen das richtige Mädchen. Der Autor erzählt wunderbar einfühlsam und hintergründig, „mit angenehm ironiefreiem Witz von jener Zeit, die auf ewig die beste unseres Lebens bleibt. Er schafft ein eindrückliches Bild der Atmosphäre in dieser einzigartigen Übergangsepoche.“ (Die Zeit)

André Kubiczek, 1969 in Potsdam geboren, lebt als freier Schriftsteller in Berlin. 2007 wurde er mit dem Candide-Preis ausgezeichnet.
2014 erschien „Das fabelhafte Jahr der Anarchie“.  „Skizze eines Sommers“ war 2016 buchpreisverdächtig.

Februar 2017: Michael Bienert: E.T.A. Hoffmanns Berlin. Literarische Schauplätze

Anna Peters begrüßt Michael Bienert

Berüchtigt für sein exzessives Nachtleben, gefeiert als Schriftsteller und Opernkomponist, respektiert als streitbarer Jurist am Kammergericht: Die schillernde Persönlichkeit E. T. A. Hoffmanns gehörte um 1820 zu den Hauptsehenswürdigkeiten der preußischen Hauptstadt. Hellwach hat er das Treiben auf den Straßen, in den Salons und Kneipen, im Tiergarten oder vor seiner Haustür auf dem Gendarmenmarkt beobachtet. In Hoffmanns Berliner Erzählungen nimmt das Doppelbödige, Unheimliche und Phantastische des modernen Großstadtalltags Gestalt an, erstmals wird Berlin zum Schauplatz von Weltliteratur.

„Ein Buch für alle, die wissen, dass Vergangenes und Unheimliches immer anwesend sind, man muss nur schauen können.“ Jens Bisky, Süddeutsche Zeitun

Michael Bienert, Journalist, Flaneur und Autor zahlreicher Bücher über Berlin, hat sich auf die Spuren E.T.A. Hoffmanns in Berlin begeben und zeigt in Text und Bild, wie quirlig die damalige Literatur- und Kunstmetropole war.

2016

April 2016: Annika Scheffel: Bevor alles verschwindet

Ein kleines Dorf muss von der Landkarte verschwinden, die Bewohner umgesiedelt werden, denn hier, in dem nicht näher bestimmten Landstrich soll ein Naherholungsgebiet mit Staudamm entstehen. Doch die Bewohner leisten Widerstand und bleiben in dem längst geräumten, von Stille umgebenen Dörfchen zurück.

Wie in einem Kammerspiel wird nun aus der Perspektive der Ausharrenden erzählt, von phantastischen Vorgängen, Ängsten vor Veränderung, von blauen Füchsen und dem Verlust der Heimat.
„Wie kleine Felsbrocken stemmen sich in dieser Prosa Familienschicksale gegen ein großes Gebirgsmassiv. Dass dies beim Lesen einen immer stärker werdenden Sog entfaltet, liegt auch an der Farb- und Lichtdramaturgie, mit der Annika Scheffel arbeitet. „Bevor alles verschwindet“ ist märchenhaft und zugleich ein sehr gegenwärtiges Buch.“ (Frankfurter Allgemeine)

Annika Scheffel, 1983 in Hannover geboren, ist Prosa- und Drehbuchautorin. 2010 erschien ihr Debütroman „Ben“, der auf der SWR-Bestenliste stand. Annika Scheffel lebt mit ihrer Familie in Berlin.

März 2016:  Christoph Peters: Der Arm des Kraken

Ein toter Japaner im Prenzlauer Berg, eine chaotische Kommissarin und ein eiskalter, japanischer Profikiller, das sind die Protagonisten in diesem spannenden Kriminalroman.

Christoph Peters, bekannt für seine Affinität zu Japan, führt uns mit seinem Roman tief in eine Berliner Parallelwelt, eine Schattenwirtschaft, die von mächtigen Vietnamesen kontrolliert wird. Die sehr ergiebige kulturelle Verschiedenheit zwischen dem japanischen Killer und der deutschen Polizistin, die bis in die Denkweisen, Arbeitsmethoden und Lebensentwürfe reicht, sorgt für Spannung. Peters erzählt literarisch anspruchsvoll abwechselnd aus zwei aufeinander prallenden Perspektiven und hat so den Kontrast der Kulturen spannend arrangiert.

Christoph Peters, geboren 1966 in Kalkar, studierte nach dem Abitur bis 1994 Malerei in Karlsruhe. Er ist Autor zahlreicher Romane und Erzählungen und wurde für seine Bücher mehrfach ausgezeichnet. Er lebt mit Frau und Tochter in Berlin.
2014 erschien sein ebenfalls gelobter Roman „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“.

Februar 2016: Ulrike Almut Sandig: Das Buch vom Verschwinden

Sieben Geschichten, in denen etwas abhanden kommt oder zu verschwinden droht: ein Kind am Strand, die Liebe in komplizierten Beziehungen, allerlei Gewissheiten; ein alter Mann verschwindet im Schnee und auf der Flucht die Heimat.

„Klar und hart sind die Sätze, überlegt durchdacht die Szenen, ausgefeilt die Erzählstrukturen. Und doch findet Ulrike Almut Sandig einen Ton, der jede ihrer Geschichten in einer schwebenden Ambivalenz hält: Sicher, man könnte all das rein realistisch lesen; es gäbe für alles, was geschieht, eine rationale Erklärung. Und doch sickert in die Grundfesten des Plausiblen immer wieder eine Form von Unheimlichkeit und Restunerfindlichkeit ein. Sandig torpediert Gewissheiten, die ihrer Figuren und die ihrer Leser.“ (Die Zeit)

Ulrike Almut Sandig, 1979 geboren, aufgewachsen in einem Pfarrhaus bei Riesa, hat in Leipzig studiert und lebt in Berlin. Sie schreibt Gedichte und Erzählungen, entwickelt Hörbücher und Hörspiele und gibt fulminante Lesekonzerte. Ihre Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Leonce- und- Lena-Preis 2009. Zuletzt erhielt sie das Autorenstipendium des Berliner Senats 2014.

Januar 2016: Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe

»Wenn ich mich in meinem Alter noch über Menschen wundern würde, käme ich nicht mehr zum Zähneputzen.« Baba Dunja ist eine hinreißend abgeklärte, lebenskluge und bezaubernde Frau, die im Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet.

Alina Bronsky lässt in ihrem neuen Roman eine unter- gegangene Welt wieder auferstehen. Komisch, klug und herzzerreißend erzählt sie die Geschichte eines Dorfes, das es nicht mehr geben soll.

Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Sie baut sich mit Gleichgesinnten ein neues Leben im Niemandsland auf. Wasser gibt es aus dem Brunnen, Elektrizität an guten Tagen und Gemüse aus dem eigenen Garten. Die wundersame Lebenswelt der Dörfler ist für Außenstehemde schwer zu fassen. Auf kleinem Raum gelingt Alina Bronsky voller Kraft und Poesie, voller Herz und Witz eine märchenhafte und fesselnd gegenwärtige Geschichte.

Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinenburg/ Russland lebt seit Anfang der 90er Jahre in Deutschland. Ihr Debütroman „Scherbenpark“ von 2009 war ein Bestseller und wurde verfilmt.

2015

Mai 2015: Regina Scheer: Machandel

Machandel ist ein fiktiver Ort in Mecklenburg und der Bezugspunkt für einen großen Gesellschaftsroman über die DDR. Regina Scheer spannt den Bogen von den 30er Jahren bis in die Gegenwart. Ihre Protagonisten erzählen vom hoffnungsvollen Aufbruch, aber auch von Erstarrung und Enttäuschung, von Sehnsucht und zerplatzten Lebensträumen, bis hin zum Fall der Mauer und darüber hinaus. Die Bürgerrechtlerin Clara, ihr Vater Hans, der junge Dissident Herbert, Natalja, die ukrainische Zwangsarbeiterin und Emma, die vor den Luftangriffen während des Krieges in Machandel Zuflucht gefunden hat.

„Ein wunderbares Buch, eine Historie unserer Zeit, genau und sehr poetisch“ (Christoph Hein)

Regina Scheer, 1950 in Berlin geboren, studierte Theater- und Kunstwissenschaft an der Humboldt Universität. Sie arbeitete für die Zeitschriften: „Forum“ und „Temperamente“. Bekannt wurde sie mit Veröffentlichungen zur deutsch-jüdischen Geschichte. Machandel ist ihr erster Roman. Dafür erhielt sie im Dezember 2014 den „Mara-Cassens-Preis für den ersten Roman“ des Literaturhauses Hamburg.

April 2015: Christine Bergmann: Von Null auf Hundert. Stationen eines politischen Lebens

„Wie konnte es gehen, von einem Tag auf den anderen aus der Pharmazie in die Politik zu wechseln und ohne einschlägige Erfahrungen politische Verantwortung zu übernehmen – von Null auf Hundert?“ In sieben großen Abschnitten beantwortet Dr. Christine Bergmann diese Fragen in ihrem Buch: in Dresden geboren, in Leipzig studiert, in Berlin als Apothekerin und in der Arzneimittelinformation gearbeitet und promoviert. 1989 trat sie der neu gegründeten SDP bei – trotz ihrer in der DDR gewachsenen Grundskepsis gegen Parteien. Sie war Präsidentin der Berliner Stadtverordnetenversammlung, Bürgermeisterin von Berlin und Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Seit März 2010 war Christine Bergmann Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs im Auftrag der Bundesregierung. Sie erhielt viele Auszeichnungen, z. B. 2007: Verdienstorden des Landes Berlin, 2011: Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland, 2012: Louise-Schroeder-Medaille.

März 2015: Dagmar von Gersdorff: Auf der ganzen Welt nur sie

Dagmar von Gersdorff erzählt die Liebesgeschichte von Elisa Radziwill, Europas schönster Prinzessin, und dem Prinzen Wilhelm, dem zweiten Sohn der Königin Luise und späteren Kaiser Wilhelm I. Sechs Jahre dauerte die Liebesgeschichte des Traumpaares und ganz Europa nahm Anteil.

Dagmar von Gersdorff erzählt die traurig-schöne Geschichte politischer Ränkespiele versus Liebe. Licht fällt besonders auf das „polnische Preußen“ in Berlin, also auf die polnische Fürstenfamilie Radziwill und ihre Bedeutung.

Dagmar von Gersdorff, Dr. phil., stammt aus Trier und lebt als freie Schriftstellerin in Berlin. Bevor sie Germanistik und Kunstgeschichte studierte, war sie bereits Redakteurin bei verschiedenen Zeitungen. Sie promovierte mit einer Arbeit über Thomas Mann. Neben zahlreichen Biographien berühmter Persönlichkeiten der Goethe-Zeit, verfasste sie sechs Kinderbücher.

Februar 2015: Hermann Simon: Marie Jalowicz Simon: Untergetaucht

Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 – 1945. Bearbeitet von Irene Stratenwerth und Hermann Simon (Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, ist der Sohn von Marie Jalowicz Simon).

Über fünfzig Jahre danach erzählt Marie Jalowicz Simon erstmals ihre Geschichte. 77 Tonbänder entstehen – sie sind die Grundlage dieses Buches. Offen und schonungslos schildert Marie Jalowicz, was es heißt, sich Tag für Tag im nationalsozialistischen Berlin durchzuschlagen: Sie braucht falsche Papiere, sichere Verstecke – und sie braucht Menschen, die ihr helfen. Vergeblich versucht sie, durch eine Scheinheirat mit einem Chinesen zu entkommen oder über Bulgarien nach Palästina zu fliehen. Sie findet Unterschlupf im Artistenmilieu und lebt mit einem holländischen Fremdarbeiter zusammen. Immer wieder retten sie ihr ungewöhnlicher Mut und ihre Schlagfertigkeit – der authentische Bericht einer jungen Frau, deren unbedingter Lebenswille sich durch nichts brechen ließ.

Januar 2015: Nellja Veremej: „Berlin ist im Osten“

In Berlin ist sie angekommen: Lena, die am östlichen Ende der Sowjetunion aufgewachsen ist und immer weiter Richtung Westen ging. Sie durchstreift mit detailversessenem Blick die Stadt, besonders die Gegend um den Alexanderplatz, in dessen Hochhäusern die russischen Immigranten wohnen. Aber ihr Blick geht auch zurück nach Osten, in die Vergangenheit: Was ist Heimat, wenn das Land, in dem man aufwuchs, nicht mehr existiert? Diese Frage verbindet sie mit dem einsamen Herrn Seitz, den Lena als Altenpflegerin betreut und der sein gut eingerichtetes Leben in der DDR durch die Wende entwertet sieht.

Auch Lenas Lebensweg ist einer mit Brüchen und Kanten, aber Nellja Veremej gibt ihrer Heldin mit einer ganz eigenen phantasievollen und poetischen Sprache einen heiteren, freundlichen Ton mit auf ihren Weg.

Nellja Veremej, geboren 1963 in der Sowjetunion, studierte Russische Philologie und lebt seit 1994 in Berlin. „Berlin ist im Osten“ ist ihr Debütroman und war 2013 für den Deutschen Buchpreis nominiert.

2014

Mai 2014: Jana Simon: Sei dennoch unverzagt

Über zehn Jahre hinweg sprechen Enkelin und Großeltern über Politik, Liebe, Freundschaft, Literatur, Emanzipation, Sex, Geld, Erfolg, Enttäuschungen und Verrat. Es beginnt im Sommer 1998. Die Enkelin ist 25, wird gerade Journalistin und fängt an, ihre Großeltern Christa und Gerhard Wolf über die Vergangenheit zu befragen. Über die Jahre entwickelt sich so ein Dialog der Generationen: Sie sprechen über politisches Engagement, die Kämpfe der Großeltern, die in ihrer Radikalität und Existenzialität für die Enkelin kaum noch zu begreifen sind, sowie über verlorene Freundschaften und Verrat. Es geht um die mehr als sechzig Jahre andauernde Liebe des Ehepaars Wolf. Und es geht um das Schreiben, das gemeinsame Glück und Unglück im neuen vereinten Land. Die Gespräche reichen bis zum Tod Christa Wolfs 2011. Am Ende treffen sich Enkelin und Großvater noch einmal allein.

Jana Simon, geboren 1972, studierte in Berlin und London, fing 1998 beim Tagesspiegel an zu arbeiten, und ist seit 2004 Autorin bei der Zeit. Sie hat zahlreiche Journalistenpreise gewonnen und lebt mit ihrer Familie in Berlin.

April 2014: Jutta Voigt: Spätvorstellung

Alter schützt vor Jugend nicht. Jutta Voigt zeigt uns, was es heißt, jung zu bleiben, während man älter wird. Berichtet wird „Aus dem Leben einer älteren Dame“: „Wenn ich ein Café betrete, verstummt kein Gespräch, ist kein Auge auf mich gerichtet. Ich finde das in Ordnung. Ich habe es lange genug gehabt, das Strammstehen vor meinem Dekolleté, die Hab-Acht-Stellung beim Klacken meiner hohen Absätze, das ehrfürchtige Verstummen vor einem Lächeln.“ Es geht um eine Frau, die ihre Waschmaschine mehr liebt als ihren Mann. Und um einen, der seine junge Geliebte für eine Gleichaltrige verlässt, weil sie denselben Subtext in der Seele hat. Die Spätvorstellung einer Generation, der die ewige Jugend zur Pflicht geworden ist. „Ein starkes Buch und so schön offensiv. Das ist der Humor, den man zum Weiteraltern braucht!“ (Dieter Hildebrandt).

Jutta Voigt geboren 1941, wuchs im Ostteil Berlins auf und studierte Philosophie an der Humboldt-Universität. Im Jahr 2000 erhielt sie den Theodor-Wolff-Preis. Jutta Voigt ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und lebt als freie Autorin in Berlin.

März 2014: Eva Menasse: Quasikristalle

In dreizehn Kapiteln zeigt Eva Menasse die verschlungene Biografie einer Frau. Die Geschichte ihrer Protagonistin wird aus immer wechselnden Perspektiven erzählt, von Freunden, Kollegen und ihrer Familie. Aus diesem raffinierten Mosaik tritt auf magische Weise ein kühner Roman hervor, der wie nebenbei die Fragen nach Wahrnehmung und Wahrheit stellt. Eva Menasse hat einen unbestechlichen Blick für Frauen in der Gesellschaft, ihre menschlichen Schwächen und das, was man an ihnen lieben muss.

Nach ihrem Debütroman „Vienna“ und dem Erzählband „Lässliche Todsünden“, nun 2013 „Quasikristalle“ – energisch, poetisch, komisch und bestürzend.

Eva Menasse wurde 1970 in Wien geboren. Sie arbeitete als Journalistin und Kulturkorrespondentin in Wien, Prag und war Redakteurin der FAZ. Sie lebt seit 2003 als freie Autorin in Berlin.

Februar 2014:  Jochen Schmidt: Schneckenmühle

„Der erste Tag vergeht immer am langsamsten, später schafft man es kaum noch, in seine Sachen zu springen und sie abends wieder auszuziehen.“ Jens fährt zum letzten Mal ins Ferienlager Schneckenmühle. Es ist der Sommer 1989 und die DDR befindet sich in Auflösung. Davon bekommt Jens aber so gut wie nichts mit, denn er ist mit sich und dem Ende seiner Kindheit beschäftigt. Wichtig sind jetzt Skat und Tischtennis, Mädchen vielleicht und sich gute Witze für zu Hause zu merken. Und schließlich noch die Frage, ob Jens sich am Disco-Abend trauen soll zu tanzen.

Herrlich komisch und oft anrührend sind Jens´ aberwitzige Gedanken und Welterklärungen, die man so ähnlich vielleicht selbst mal hatte, aber dann vergessen hat, als man langweilig und erwachsen wurde.

Jochen Schmidt, 1970 in Berlin geboren, liest jede Woche in der „Chaussee der Enthusiasten“. Veröffentlicht hat er u.a. „Müller haut uns raus“, „Schmidt liest Proust“ und zuletzt „Schmythologie“

Januar 2014: Irina Liebmann: Drei Schritte nach Russland

Es sind drei Reisen, die Irina Liebmann seit 2009 in das Land, in dem sie geboren wurde führten. Sie erlebt es als Zwitter zwischen der  alten Sowjetunion und dem „neuen Russland“. Sie spürt die Brüche der russischen Gesellschaft in vielfältigen Begegnungen mit Menschen, deren Hoffnungen, Ängsten und Verdrängungen auf. Ihr Buch vermittelt  sehr differenzierte Eindrücke eines Riesenreiches im Wandel.

Irina Liebmann wurde 1943 in Moskau als Tochter einer russischen Germanistin und eines deutschen Journalisten geboren. 1945 zieht sie mit ihren Eltern in das zerstörte Ostberlin. Ab 1966 studierte sie Sinologie in Leipzig und arbeitete als Kulturwissenschaftlerin. Seit 1975 lebt sie als freie Autorin in Berlin. 2008: Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch für „Wäre es schön? Es wäre schön!“, über ihren Vater, den Journalisten Rudolph Herrnstadt. Die Erzählung „Drei Schritte nach Russland“ erschien 2013.

2013

Mai 2013: Peter Wawerzinek: Rabenliebe

Die Kindheit im Heim und lebenslange Suche nach der Mutter wird Literatur, die in einem schmerzlichen Prozess dem eigenen Lebensstoff abgerungen ist. 50 Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Dann fand und besuchte er sie. Das Ergebnis ist ein literarischer Sprengsatz: „unerträglich und laut, leise und liebevoll, geduldig und unduldsam, sprachmächtig und sprachlos zugleich. Es geht an die Nieren und zu Herzen, es macht bescheiden und sehr, sehr still.“ (NDR)

Peter Wawerzinek ist 1954 in Rostock geboren.  Er wuchs in verschiedenen Heimen und bei verschiedenen Pflegeeltern auf. Seit 1988 lebt er als freier Schriftsteller, Regisseur, Hörspielautor und Sänger in Berlin. 2010 Ingeborg-Bachmann-Preis und Publikumspreis für „Rabenliebe“. Mitglied im P.E.N. Zentrum.

April 2013: Marion Brasch: Ab jetzt ist Ruhe

Marion Braschs Roman erzählt die Geschichte ihrer außergewöhnlichen Familie. Der Vater war stellvertretender Kulturminister der DDR. Ihre drei Brüder, darunter Thomas Brasch, sind als Schriftsteller, Dramatiker und Schauspieler bekannt. Sie revoltierten gegen die Vätergeneration und scheiterten an der Wirklichkeit. Mit Leichtigkeit und Liebe, erzählt die „kleine Schwester“ die dramatischen Ereignisse ihrer Familie – Erfolg, Revolte, Verlust der drei Brüder – und erzählt gleichzeitig ihr eigenes Leben in einem Land, das es heute nicht mehr gibt.

Marion Brasch ist 1961 in Berlin geboren. Sie arbeitete nach dem Abitur als Schriftsetzerin in einer Druckerei, bei verschiedenen Verlagen und beim Jugendsender „DT64“. Sie ist heute freischaffend tätig als Rundfunkjournalistin und Moderatorin bei „radioeins“ (RBB). Sie lebt in Berlin.

März 2013: Jens Sparschuh: Im Kasten

Hannes Felix ist seine Frau los. Das gibt ihm die Gelegenheit, seine Vision von der optimalen Ordnung des Lebens künftig ganz ungestört umzusetzen. In seinem Roman stellt uns Jens Sparschuh mit Sprachwitz und Feingefühl einen sympathischen und hochneurotischen Don Quichotte von heute vor, dem der Leser bei seiner Suche nach einer neuen, perfekten Ordnung mit banger Hoffnung und großem Vergnügen bis zum bitteren Ende folgt. „Der Autor versteht sich ausgezeichnet auf das Abschildern, Vermessen, Ausloten der eher kleiner karierten Muster des Daseins, die bekanntlich auch an den höchsten Stellen vorkommen.“ (Die Zeit)

Dr. Jens Sparschuh, 1955 im damaligen Karl-Marx-Stadt geboren, aufgewachsen in Berlin, studierte Philosophie und Logik in Leningrad. Promotion in Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin. Er war Mitglied des Neuen Forums. Er lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Mitglied im P.E.N. Zentrum.

Februar 2013: Annette Leo: Strittmatter – die Biographie

Kaum ein Schriftsteller wurde von seinen Lesern in der DDR geliebt und verehrt wie Erwin Strittmatter. Und kaum einer wurde später so radikal verurteilt.

Die Historikerin Annette Leo hat sich dieser umstrittenen Biographie angenähert. Sie rekonstruiert das bisher verschwiegene Kapitel seiner Mitgliedschaft in einer militärischen Einheit der Ordnungspolizei während des 2. Weltkriegs und fragt nach seinem Platz als Schriftsteller und Funktionär in den politischen Konflikten der DDR. Sie zeigt Erwin Strittmatter im Spiegel seriös ausgewerteter Quellen und Dokumente, die vielfach aus Strittmatters Privatarchiv stammen. Selten ist ein Autor so plastisch in seiner inneren Entwicklung und den Auseinandersetzungen seiner Zeit porträtiert worden.

Dr. Annette Leo, 1948 geboren in Düsseldorf, studierte Geschichte und Romanistik an der Humboldt-Universität in Berlin. Die freischaffende Historikerin und Publizistin lebt in Berlin.

2012

April 2012: Christiane Schlenzig: Flügel zitternd im Wind

Wie viel Leben passt in eine Zeit? Diese Frage stellt sich Maja, als sie plötzlich allein ist.
Die Enkeltochter vermag es, Maja aus ihrer Lethargie zu befreien. Und die Reise beginnt…

Autobiographisches und Fiktives aus den schützenden Nischen einer Diktatur. Zehn Geschichten, jede eine Erzählung für sich und doch romanartig miteinander verknüpft. Drei Protagonisten, drei Leben im geteilten, dann wiedervereinten Deutschland, bis hin in unser 21. Jahrhundert.

Christiane Schlenzig wurde 1944 in Belgard/Pommern geboren.Sie kam mit ihrer Mutter als Einjährige in einem Flüchtlingstreck in den Osten Deutschlands. Nach Abschluss eines zweijährigen Fernstudiums für Belletristik erste Veröffentlichungen in Anthologien und bei Literaturwettbewerben. Kürzlich erschien ihr erster Roman im Engelsdorfer Verlag.

März 2012: Salomea Genin: Ich folgte den falschen Göttern: Ein australische Jüdin in der DDR

1932 als Kind polnisch-russischer Juden in Berlin-Wedding geboren, floh Salomea Genin im Mai 1939 mit ihrer Familie vor den Nationalsozialisten nach Australien. 1951 kam sie als Mitglied der australischen Delegation zu den Weltfestspielen der Jugend und Studenten nach Ost-Berlin und war von der DDR begei-stert. Sie verließ Australien, um in der DDR ein besseres, antifaschistisches Deutschland aufzubauen, erhielt aber keine Aufenthaltserlaubnis in der DDR. So blieb Salomea Genin zunächst in West-Berlin und zeitweise in England, bevor sie 1963 offiziell nach Ost-Berlin übersiedeln durfte. In West-Berlin hatte sie begonnen, als Informantin für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR zu arbeiten. Diese Tätigkeit setzte sie dann in der DDR fort. 1982 erkannte Salomea Genin: Statt zu helfen, die Welt zu verbessern, arbeitete sie für einen Polizeistaat. Sie brach mit der Stasi und wollte sich das Leben nehmen…

Die „Lesung“ findet in Erzählform statt, in der einzelne Stationen aus dem Leben der Autorin lebendig vorgetragen werden und teilweise mit Liedern von Salomea Genin selbst untermalt werden.

Februar 2012: Walfriede SchmittGott ist zu langsam: Also denn um sechse bei Werner!

Im Zentrum ihres Romans stehen ein Berliner Gastwirt und seine geliebte Kneipe, eine typische Destille im Osten der deutschen Hauptstadt. „Um sechs bei Werner!“ heißt das Zauberwort für viele im Kiez, die sich hier Rat, Zuspruch, Erleichterung und die nötige Bettschwer holen. In diesem Biotop Kneipe finden tragische und heitere Geschichten ihren Anfang – und manchmal ihr Ende. Zwischen Realismus und Absurdität bewegen sich die Schicksale der liebenswerten, teils skurrilen Figuren. Ihre Schwierigkeiten mit sich selbst und den Zeichen der Zeit, ihre teils ungewöhnlichen Versuche, sich zu behaupten und sich ihre Wünsche zu erfüllen, werden mit einem Lachen erzählt, das immer wieder erstickt, und mit einem Ernst, der immer wieder ins Lachen zurückführt.

Walfriede Schmitt war viele Jahre lang eine Protagonistin der Berliner Volksbühne. Ihr großes Publikum liebt sie auch für ihre Rollen im Film (Beunruhigung, Coming out) und Fernsehen (Das Schilfrohr, Bahnwärter Thiel, Pauline Oswalds zweites Leben). Spätestens seit sie in der Fernsehserie Für alle Fälle Stefanie  ‚Schwester Klara‘ war, ist Walfriede Schmitt in Gesamtdeutschland bekannt.

Januar 2012: Ulrich SchachtVereister Sommer – Auf der Suche nach meinem russischen Vater

Es ist Sommer, Christa und Wolodja sind verliebt. Die Deutsche und der sowjetische Offizier träumen von einer gemeinsamen Zukunft. Bis sie verraten werden. Jahrzehnte später spürt Ulrich Schacht der verhängnisvollen Geschichte seines Vaters nach. Gegen den Widerstand der Mutter versucht er, seinen Vater zu finden. An einem Frühlingstag steht er einem Mann gegenüber, von dem er hoffte, dass er sein Vater sei. Ein tief bewegendes Zeitzeugnis, exakt wie ein Geschichtsbuch, anschaulich wie ein Roman.

Ulrich Schacht, wurde 1951 im Frauengefängnis Hoheneck geboren und wuchs in Wismar auf. 1973 in der DDR wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu sieben Jahren Freiheitsentzug verurteilt, wurde er 1976 in die Bundesrepublik entlassen. Dort arbeitete er als Feuilletonredakteur und Chefreporter Kultur für Die Welt und Welt am Sonntag. Schacht erhielt verschiedene Preise, Auszeichnungen und Literaturstipendien, u. a. den Theodor-Wolff-Preis für herausragenden Journalismus. Er gilt als ein streitbarer Publizist, der sich nicht Konventionen, sondern einer human-istischen Tradition verpflichtet fühlt. Seit 1998 lebt Ulrich Schacht als freier Autor in Schweden.

2011

Juni 2011: Alexander Osang: Königstorkinder

Alexander Osangs dritter Roman „Königstorkinder“ ist eine Bestandsaufnahme, wie weit die deutsche Einheit nach 20 Jahren geglückt ist. Zwei Protagonisten treffen aufeinander, die unterschiedliche Lebensentwürfe haben. Ulrike kommt eigentlich aus Süddeutschland und lebt wegen der vermeintlich besseren Jobchancen und der turbulenten Quirligkeit der Stadt in Berlin. Sie trifft auf Andreas, der mit seinen 40 Jahren ebensoviel Zeit in der DDR, wie nach ihr verbracht hat. In seinem Job als Journalist gescheitert, ist der Arbeitslose im Prenzlauer Berg in einer Projektgruppe aktiv. Was als neugierige Affäre zwischen beiden begann, entwickelt sich zum Aufeinanderprallen der Kulturen. Mit viel Witz und Ironie führt Osang durch seine Geschichte. Die Charaktere sind in all ihren Eigenheiten liebenswert und die Bezüge zur deutsch-deutschen Geschichte mit wundervollem Humor gewürzt.

Alexander Osang, 1962 geboren, hat sich schon lange neben seinen aufregenden Reportagen und Zeitungsarbeiten einen Namen als Erzähler gemacht. Nach seinem Roman-Debüt 2000 mit „Die Nachrichten“ über die Karriere eines ostdeutschen Fernsehnachrichten-Sprechers erschien der Amerika-Roman „Lennon ist tot“.

Mai 2011: Dagmar von Gersdorff: Caroline von Humboldt

Für Goethe war sie die bedeutendste Frau ihrer Zeit: Caroline von Humboldt (1766-1829). Trotzdem sah die Nachwelt in ihr lange vor allem die mustergültige Gattin Wilhelm von Humboldts. Dagmar von Gersdorff, Autorin des Erfolgsbuchs Goethes Mutter, entwirft in dieser Biographie ein neues Bild.

Caroline war nicht nur klug, gebildet, tatkräftig und abenteuerlustig, sie war vor allem leidenschaftlich interessiert an der Kunst. Sie bereiste ganz Europa, ihr Haus in Rom wurde zum gesellschaftlichen Mittelpunkt. Sie förderte die dort lebenden deutschen Künstler und sammelte mit großem Kunstverstand. Als die aufgeklärte Kosmopolitin, die sie war, ist uns Caroline von Humboldt heute sehr nahe.

Dagmar von Gersdorff, Dr. phil., wurde 1938 in Trier geboren. An der Freien Universität Berlin studierte sie Germanistik und Kunstgeschichte, ihre Promotion schrieb sie über den Einfluss der deutschen Romantik auf Thomas Mann. Heute lebt sie als Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin in Berlin. Sie ist Mitglied des Internationalen PEN.

März 2011: Oliver Hilmes: Liszt – Biographie eines Superstars

Liszt war ein Mann, der sich in immer neuen Rollen selbst erfand: Als Wunderkind, Klaviervirtuose, Komponist, Freigeist, Frauenschwarm und katholischer Abbé mit zeitweiligem Wohnsitz im Vatikan. Er war ein begnadeter Schauspieler und legendärer Verführer, manchmal auch ein bombastischer Schaumschläger und charmanter Aufschneider. Alles dies findet man in seiner Musik, die oft lässig auftrumpfend und ebenso oft zärtlich-fragil ist. Oliver Hilmes beantwortet die Frage, wer dieser Franz Liszt – fernab aller Selbststilisierung – wirklich war, und entschlüsselt die Bedeutung seiner kühnen Musik sowie die Faszination, die noch heute von ihr ausgeht.

Oliver Hilmes, 1971 geboren, studierte Geschichte, Politik und Psychologie in Marburg, Paris und Potsdam. Er promovierte mit einer Arbeit über die politische Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts und arbeitete in der Intendanz der Berliner Philharmoniker. Seine Bücher über widersprüchliche und faszinierende Frauen „Witwe im Wahn. Das Leben der Alma Mahler-Werfel“ (2004) und „Herrin des Hügels. Das Leben der Cosima Wagner“ (2007) wurden zu Bestsellern. Zuletzt erschien von ihm „Cosimas Kinder. Triumph und Tragödie der Wagner-Dynastie“ (2009).

Februar 2011: Gernot Wolfram: Das Wüstenhaus

Ein Journalist erhält einen mysteriösen Anruf: Eine unbekannte junge Frau behauptet, er habe den Tod ihrer Eltern verschuldet. Er erkennt in der Anruferin Maja wieder, die er sechs Jahre zuvor mit ihrer Familie bei einem Djerba-Urlaub kennen gelernt, bald aber wieder vergessen hatte. Nun muss er erfahren, dass ihre Eltern damals seiner Empfehlung gefolgt waren, die alte Al-Ghriba-Synagoge zu besichtigen, ein Ort, an dem die Kulturen „wie Flüsse“ aufeinanderstoßen und die er ihnen besonders ans Herz gelegt hatte – mit fatalem Ausgang: Auf die Synagoge wird an diesem Tag ein Anschlag verübt.

Gernot Wolfram, 1975 in Zittau in Sachsen geboren, arbeitet als Autor und Publizist und lehrt an verschiedenen Hochschulen. 1995 erhielt er den Landespreis für deutsche Sprache und Literatur Baden-Württemberg, 2002 den Walter-Serner-Preis. 2003 erschien bei DVA sein vielbeachteter Erzählungsband Der Fremdländer und 2005 sein Debütroman Samuels Reise. Für einen Auszug aus seinem neuen Roman Das Wüstenhaus erhielt er 2010 den Inselschreiberpreis Sylt. Gernot Wolfram lebt in Berlin und Kufstein (Österreich).

2010

April 2010: Maxim Leo: Haltet euer Herz bereit. Eine ostdeutsche Familiengeschichte

Die Familie des Journalisten Maxim Leo war wie eine kleine DDR. In ihr konzentriert sich vieles, was in diesem Land einmal wichtig war: Die Hoffnung und der Glaube der Gründungsväter. Die Enttäuschung und das Lavieren ihrer Kinder, die den Traum vom Sozialismus nicht einfach so teilen wollten. Und die Erleichterung der Enkel, als es endlich vorbei war. Der Autor erzählt in seinem Buch liebevoll und mitreißend, was die DDR zusammenhielt und was sie schließlich zerstörte.

Maxim Leo wurde 1970 in Ostberlin geboren, studierte Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin und am Institut d’Etudes Politiques de Paris. Seit 1997 Redakteur an der Berliner Zeitung. Maxim Leo wurde 2002 für den Egon-Erwin-Kisch-Preis nominiert, im selben Jahr mit dem Deutsch-Französischen Journalistenpreis und 2006 mit dem Theodor-Wolf-Preis ausgezeichnet. 

März 2010: Joachim Gauck: Winter im Sommer – Frühling im Herbst: Erinnerungen

Er kennt die Stasi, ihr Innenleben und ihre Hinterlassenschaften: Joachim Gauck, erst Pfarrer in der DDR und dann, nach der Wende, der Beauftragte der Stasi-Unterlagen. In den Akten des Geheimdienstes hat er gehen, wozu Menschen fähig sind, die sich zu willigen Bütteln der Dikatatur machen lassen. „Winter im Sommer – Frühling im Herbst“, so hat Joachim Gauck seine Erinnerungen genannt. Ein paradoxer Titel über das Leben in einem paradoxen Land.

Zu seinem 70. Geburtstag hat Joachim Gauck seine Erinnerungen aufgeschrieben. Ihm ist ein gleichermaßen politisches wie emotional berührendes Buch gelungen, in dem er in klaren Bildern die traumatisierende Erfahrung der Unfreiheit und das beglückende Erlebnis der Freiheit nachzeichnet und den schwierigen Übergang von erzwungener Ohnmacht zu einem selbst bestimmtem Leben beschreibt.

Februar 2010: Heide Schmidt: „Dich merke ich mir“. Lotte Betke erzählt aus ihrem Leben

Als Lotte Betke 1905 in Hamburg geboren wird, kann niemand ahnen, wie vielfältig die Rollen sein werden, die si in ihrem Leben spielen wird.
„Ich habe immer dann, wenn es darauf ankam, funktioniert. Das war mein Glück!“ so beschreibt sie ihr Leben, das von Beharrlichkeit und starkem Willen gekennzeichnet ist. Ob als Schauspielerin, Hörspielautorin, Rundfunklektorin, Schriftstellerin oder Mutter, sie nimmt den Leser mit auf eine interessante Reise durch ihre Kindheit in ihrer schleswig-holsteinischen Familie. Sie erinnert sich an den Hamburger Hafen nach dem ersten Weltkrieg, an die Nazizeit am Theater in Berlin und an die Nachkriegszeit in Schwaben mit zwei kleinen Kindern sowie an ihr Leben als Schriftstellerin und Zeitzeugin auf Leserreisen.
In welcher Rolle war sie am lebendigsten? Vielleicht 1933 – 1944 als sie am Staatstheater in Berlin spielte? Als Gustaf Gründgens mit ausgestecktem Finger auf sie zukam und sagte: „Dich merke ich mir. Du hast Talent“?
Oder in ihrer Rolle als Zeitzeugin?
Für ihre literarischen Verdienste erhält sie als erste Schriftstellerin 1986 den Marlen-Haushofer-Preis und 1990 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Februar 2010: Jutta Voigt: Westbesuch: Vom Leben in den Zeiten der Sehnsucht

Westbesuch ist ein Wort, das viele Erinnerungen auslöst und in sich trägt: Willkommen und Abschied, Umarmung und Entfremdung. Jutta Voigt schreibt über das Reisen zwischen Ost und West und schildert, wie gut sich Ost- und Westdeutsche schon vor 1989 kannten und voneinander profitierten. Der „Westbesuch“ war das Ritual, bei dem zusammenkam, was nach 1989 offiziell zusammen gehörte. Ein Westbesuch war einerseits die ersehnte Reise „nach drüben“, die den meisten Ostdeutschen erst vergönnt war, wenn sie Rentner wurden oder eine Westtante starb. West-Dienstreisen waren höchstes Privileg. Westbesuch war aber vor allem der Besuch von drüben.
„Westbesuch“ ist ein brilliantes Buch über eine besondere Ost-West-Beziehung. Jutta Voigt schreibt über deutsch-deutsche Gefühle und Mentalitäten und erzählt ironisch von den Absurditäten des Reisens zwischen Ost und West.

Jutta Voigt, 1941 in Berlin geboren, studiert Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1966 bis 1989 arbeitet sie als Redakteurin und Filmkritikerin bei der Wochenzeitung „Sonntag“. Nach der Wende ist sie Redakteurin und Reporterin bei den Berliner Wochenzeitungen „Freitag“ und „Wochenpost“. Seit 1997 ist Jutta Voigt als Reporterin im Berliner Büro der Zeitung „Die Woche“ in Hamburg tätig. Weitere Bücher sind „Der Tiger weint“ von 1997 und „Der Spleen von Berlin“ von 1999 mit Fotos von Rolf Zöllner. 2002 wird sie mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Seit 2002 arbeit sie als Kolumnistin für „Die Zeit“ sowie als freie Autorin. Jutta Voigt wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und lebt in Berlin

Januar 2010: Jaqueline Boysen: Das „weiße Haus“ in Ostberlin. Die Ständige Vertretung der Bundesrepublik bei der DDR.

Mit der neuen Ostpolitik von Willy Brandt ließen die beiden deutschen Teilstaaten Anfang der 70er Jahre erstmals auf ihrem Terretorium Stützpunkte des jeweiligen Gegners zu und erstrebten eine Verständigung. Zwar gab es keine richtigen Botschaften, aber immerhin „Vertretungen“, die sich um die Belange Hilfe suchender Bürger, um Häftlinge in den Gefängnissen oder den Kulturaustausch kümmerten. Die Autorin rekonstruiert die Geschichte dieser ganz besonderen diplomatischen Vertretung anhand von Zeitzeugengesprächen und Archivmaterialien aus dem Auswärtigen Amt und dem Kanzleramt sowie den Hinterlassenschaften des Ministeriums für Staatssicherheit.

Jaqueline Boysen, Jahrgang 1965, studierte Geschichte und Russisch in Hamburg, Berlin und Bordeaux. Sie fünf Jahre Deutschlandradio-Landeskorrespondentin in Mecklenburg-Vorpommern, seit 2005 ist sie Kulturkorrespondentin im Hauptstadtstudio des Deutschlandradio.